Die Rangliste der bestbezahlten Dax-Vorstandsvorsitzenden im vergangenen Jahr wird durch zwei erst jetzt veröffentlichte Gehaltsberichte noch einmal stark durcheinandergewirbelt. Ganz oben stehen nun Linde-Chef Steve Angel, der laut Berechnungen der Vergütungsberatung hkp auf eine Gesamtvergütung von 53,4 Millionen Euro kommt, sowie der Delivery-Hero-Vorstandsvorsitzende Niklas Östberg, der ein Gehaltspaket in Höhe von 45,7 Millionen Euro bekommt.


Bei beiden Spitzenmanagern spielen die aktienbasierten Langfristbezüge die entscheidende Rolle. So bekam der amerikanische Linde-Chef Steve Angel als Grundvergütung zwar lediglich 1,36 Millionen Euro, hinzu kommen aber weitere Vergütungsbestandteile, allen voran Aktienoptionen. Seine aktienbasierte Langfristvergütung bringt ihm laut den Vergütungsspezialisten einen Gegenwert von rund 47 Millionen Euro. Schon in den vergangenen Jahren war der Amerikaner Spitzenverdiener im Dax. Der Industriegase-Hersteller Linde hat sich damit seit seiner Fusion mit dem amerikanischen Rivalen Praxair im Jahr 2018 den in Amerika üblichen Gehaltsusancen angepasst.

Auch bei Delivery-Hero-Chef Niklas Östberg macht die langfristig variable Vergütung den Löwenanteil des Gehalts aus. Sein Basisverdienst liegt bei lediglich 350.000 Euro, fast 45,4 Millionen Euro bekommt der Schwede aber zusätzlich aus einem 2018 aufgesetzten mehrjährigen variablen Vergütungsprogramm in Form von Aktienoptionen. Besonders delikat: Delivery Hero ist der einzige Dax-Konzern, der noch nie einen Gewinn erwirtschaftet hat. Auch in diesem Jahr wird das 2011 gegründete Unternehmen wohl noch nicht die Gewinnschwelle erreichen. Der Aktienkurs des Unternehmen hat sich allerdings seit seinem Börsengang im Sommer 2017 rund verfünffacht.

Während die anderen Dax-Unternehmen ihre Vergütungsberichte wie vom Corporate-Governance-Kodex empfohlen schon bis Ende März vorgelegt haben, sind die Berichte von Linde und Delivery Hero erst jetzt erschienen. „Auch uns haben die Werte in dieser Höhe überrascht“, sagt der Vergütungberater Michael Kramarsch. Wer sich aber über erfolgreiche Start-ups wie Delivery Hero freue, müsse auch die Vergütungspraktiken solcher Unternehmen akzeptieren.

Die neuen Zahlen erlauben auch eine Neuberechnung der Durchschnittsverdienste der Spitzenmanager im Jahr 2020. Im Schnitt kommen die Dax-Vorstandsvorsitzenden jetzt auf rund 8,5 Millionen, das entspricht einem Zuwachs von fast 15 Prozent. Ausgerechnet im Corona-Jahr erreichen die Gehälter der Spitzenmanager damit doch einen neuen Rekordwert.