Der Industriegasekonzern Linde lotet eine Fusion mit dem amerikanischen Konkurrenten Praxair aus. Linde habe einen Zusammenschluss auf Augenhöhe im Visier, heißt es aus Finanzkreisen, ein Aktientausch sei denkbar. Der Konzern bestätigte, dass Gespräche laufen, aber noch zu keinen konkreten Ergebnissen oder Vereinbarungen geführt haben. Beide Unternehmen sind an der Börse derzeit etwa 30 Milliarden Dollar wert. Nach der Übernahme von Airgas durch Air Liquide ist Linde nur noch Nummer zwei auf dem Weltmarkt und könnte die Franzosen durch die Fusion mit dem Branchendritten Praxair wieder überholen.

Das „Wall Street Journal“ hatte ebenfalls über Fusionsgespräche zwischen Linde und Praxair berichtet ohne Details zu nennen. Die Gespräche seien noch wenig konkret und könnten durchaus noch scheitern.

An der Börse kamen die Nachrichten gut an. Die Kurse von Linde und Praxair stiegen um neun bzw. vier Prozent. Analysten können sich mit dem Fusionsgedanken anfreunden: „Ein Zusammenschluss oder Kauf könnte die Überkapazitäten reduzieren und wäre gut für die Margen des kombinierten Unternehmens“, erklärte Marcus Mayer vom Wertpapierhandelshaus Baader. „Aus unserer Sicht könnten hohe Synergien von bis zu 800 Millionen Euro erreicht werden.“


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Die Gasebranche ist weltweit stark konzentriert. Sollte die Fusion gelingen, blieben mit Linde/Praxair, Air Liquide und Air Products nur noch drei große Industriegaseanbieter übrig. Ein Knackpunkt ist daher die Kartellfrage. Schon beim Kauf des britischen Rivalen BOC im Jahr 2006 erhielt Linde strenge Auflagen und musste in mehreren Ländern Geschäftsteile an die Konkurrenz abgeben. Regional ist Linde vor allem in Europa und Asien stark, Praxair hingegen in Nord- und Südamerika. Linde leidet allerdings unter der Schwäche der Öl- und Gasbranche und hatte sich deshalb 2012 schon durch den Zukauf der amerikanischen Lincare vor allem im Geschäft mit medizinischen Gasen verstärkt.

Die Amerikaner sind mit einem Jahresumsatz von umgerechnet 9,6 Milliarden Euro nur etwa halb so groß wie Linde, mit einem Gewinn von umgerechnet 1,5 Milliarden Euro aber wesentlich profitabler. Die Münchner erwirtschaften bei einem Umsatz von 18 Milliarden Euro nur 1,15 Milliarden Euro Gewinn.